Making Of: Buchcover «Gisch was hesch»
Der Entstehungsprozess des Buchcovers für Steff Stauffers neuen Schelmenroman.
Drei Sachen sind mir an einem Buchcover wichtig: Erstens darf auf keinen Fall ein Hinweis auf den Ausgang der Geschichte erkennbar sein. Zweitens muss es Spass machen. Drittens muss es mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Der potenzielle Leser soll ja neugierig das Buch kaufen und in der Geschichte seine Antworten erhalten.
Um mal zu zeigen, wie ein kreativer Prozess zur Ideenfindung funktionieren kann, schreibe ich diesen Blogpost damit Menschen, die nicht in der Kreativindustrie arbeiten, vielleicht eine Vorstellung erhalten, wie das eigentlich funktioniert. Für das Pontresina Plakat habe ich das auch gemacht. Aber jeder Prozess ist anders, jeder Kunde ist anders. Darum ist visuelle Gestaltung auch so spannend.
Viele haben auch Angst vor dem leeren Blatt Papier, auf der jetzt eine Idee aus dem Nichts entstehen soll. Aber so funktioniert das gar nicht. Man muss da keine Angst haben. Das weisse Blatt Papier wird sich mit eigenen Erfahrungen füllen, die vorangegangene Recherchen werden dazu beitragen, die Ideen und Storys, die der Auftraggeber mir erzählt machen, das weisse Blatt Papier überhaupt kein Ort der Leere. Im Gegenteil. Es ist der Ort der Möglichkeiten. Mir als Gestalter fägt das einfach mega.
Die Anfrage
Die Leute vom Cosmos Verlag haben mich angefragt, weil die Autorin den Wunsch hatte, das ich Ihr Buchcover gestalte, weil sie meine Plakate so schön findet. Was für eine Ehre. Natürlich sage ich da zu. Beide Parteien haben mir keinerlei Vorgaben gemacht bezüglich Gestaltung. Die einzige Vorgabe war die extremst enge Deadline.
Die Geschichte
In der Geschichte dreht es sich um mehrere Parallelgeschichten von Personen, die dort wo sie in Ihrem Leben stehen unzufrieden, oder unglücklich sind. Der King, weltberühmter Tennisspieler will nur in der Spelunke ungestört ein Fyrabebier trinken. Chläbi will seinen Jeansladen führen und dr Anger der will jetzt das grosse Ding drehen.
Weiter gehe ich hier nicht auf die Geschichte ein.
Die Essenz
In jedem Projekt und jeder Geschichte gibt es eine tiefere Wahrheit. Worum gehts überhaupt? Dies versuche ich in Denkarbeit herauszufinden. Für mich war hier der Kern die Gefangenheit im eigenen, sowohl in der Oberschicht, als auch in der Unterschicht.
Soll grob heissen: Die Reichen sind im goldenen Käfig und wollen wieder mal zurück «Zu de Lüt». Und die armen wollen nach oben und auch ein Teil vom Kuchen abhaben.
Es geht also um ein Oben und unten… um ein Einbrechen und gleichzeitig auch ein Ausbrechen. Das Unvermögen vom eigenen Ort oder Zustand in einen andern Überzugehen.
Ärmel hoch & Schaffe
Wenn die Theorie stimmt, dann gehts an die visuelle Ideenfindung. Gerade bei einem Projekt mit einer so fordernden Deadline muss man in die Gänge kommen. Wir haben uns darauf verständigt, dass ich Bleistiftskizzen-Videos aufzeichne und der Verlag und Autorin einfach Ja/Nein sagen kann, um schnell vorwärtszukommen und nicht unnötig Zeit in eine Reinzeichnung zu investieren, wenn dann die visuelle Idee doch nicht so gut ist.
So werden wir uns Entscheidungsrunde um Entscheidungsrunde dem Cover annähern.
Bei so einer Deadline muss der Prozess geradlinig sein und es dürfen keine Sackgassen entstehen, aus denen man nicht mehr herauskommt. Dasselbe beim Auftraggeber. Es müssen schnelle harte Entscheidungen getroffen werden ohne Zurückzuschauen. Sonst ist diese Arbeitsweise in diesem Zeitrahmen kaum aufrechtzuerhalten.
Kreation Runde 1: Frei von der Leber weg
Jetzt geht es darum, einfach Ideen locker und frei rauszuhauen. Ohne Rücksicht darauf, wie ein Idiot dazustehen und sich die Leute fragen: Was, der hat an der Kunsthochschule studiert? Niemals!

Irgendwie eine Wand oder so. Mit einem Loch. Der Tennisspieler kann ausbrechen und die Ganoven können einbrechen.

Oder vielleicht ein Zückerchen für die Esel, die auch was vom Kuchen abhaben wollen.

So ein MC Escher Raum aus dem man in alle Dimensionen ein- und ausbrechen kann.

Eine eingesperrte Rübe, die davon rennt. Aber die Flucht ist sinnlos, wenn man mit dem Käfig flüchtet.
Runde 2: Könnte interessant sein
Nach einem Telefonat befanden wir die Idee vom Ein- und Ausbruch für spannend. Weiterforschen in diese Richtung.

Eine Mauer bei der ein paar Steine rausgebrochen wurden.

Noch viel lustiger: Eine Mauer bei dem jemand Steine herausgebrochen hat, um einzubrechen, aber daneben ist eine geöffnete Türe, bei der jemand schon vorher ausgebrochen ist.
Runde 3: Zeroing in
Die Idee mit der Mauer ist zwar lustig. Aber irgendwie geht da noch was. Wir beschlossen, noch mal etwas weiter auszuholen. Die Autorin meinte, dass Sie lieber etwas ruhiges Landschaftliches hätte. Daher habe ich nochmals den Faden aufgenommen mit dem Hintergedanken nicht so fest rein zu zoomen.

Ein entrücktes Schloss auf dem Hügel das sich nicht mit dem Pöbel abgibt.

Dieselbe Idee aber mit Flucht nach hinten. Mit dem schäbigen Hüttchen vorne.

Noch entrückter: Das Schloss ist gar nicht am Boden und für die Unterschicht unerreichbar. Aber die Oberschicht kann auch gar nicht mehr ausbrechen.
Das ist es! Das fühlt sich richtig an.

Das Luftschoss, aus dem es runter auf die Unterschicht regnet, mit einer Strickleiter die zur Flucht dient.

Noch mehr heruntergekocht: Nur das Luftschloss mit der Strickleiter die man zur Flucht , aber auch zum Einbrechen benutzen kann. Aber leider reicht die Leiter nicht ganz nach unten.
Die Reinzeichnung
Die Luftschloss Idee fand grossen Anklag und wurde abgesegnet. so startete ich mit der Reinzeichnung.

Auf dem Dach des Schlosses hat es natürlich einen Tennisplatz für den King.

Typografische Variationen um Farbe und Kompositionen zu testen.
Fertig
Es gäbe der Möglichkeiten gar viele. Aber irgendwann muss man fertig werden. Und so kam es zu diesem Cover. Das Buch ist erhältlich beim Cosmos Verlag
